IV TOSHAIN – PAINTINGS ARE EGOISTS

Einzelausstellung und Live-Performance von IV TOSHAIN in der Galerie ESTERMANNKUNST, Wien
Eröffnung: 16. September 2026, 18:30 Uhr |
Ausstellung: 17. September – 15. Oktober 2026
Einführung: Julia Moebus-Puck (WAM)



Was geschieht, wenn eine Zeichnung nicht nur etwas darstellt, sondern selbst eine physische Konsequenz hinterlässt? Wenn eine Linie nicht mehr rückgängig gemacht werden kann? In ihrer Einzelausstellung „Paintings Are Egoists“ konfrontiert die Künstlerin IV TOSHAIN das Publikum mit der unmittelbaren Präsenz von Körper, Material und Gefahr. Vom 16. September bis 15. Oktober 2026 zeigt TOSHAIN in der Galerie ESTERMANNKUNST in der Himmelpfortgasse 2“, 1010 Wien, Arbeiten, in denen kalte Waffen zugleich als Objekte, Skulpturen und künstlerische Instrumente auftreten. Im Zentrum steht die Klinge: als Linie, als physische Spur und als Widerstand gegen eine zunehmend technologisch vermittelte Welt. TOSHAIN interessiert die Unmittelbarkeit des Handelns. In einer Gegenwart, in der Bilder digital erzeugt und Handlungen aus der Distanz ausgeführt werden können, setzt ihre Kunst auf das Gegenteil: Kontakt, Nähe, Widerstand und Konsequenz. Wie ein Bleistift zeichnet die Klinge eine Linie – doch während der Bleistift auf der Oberfläche verbleibt, dringt sie in das Material ein und verändert es unwiderruflich. „Die Klinge steht nicht für die Wunde. Die Zeichnung selbst ist die Wunde.“ TOSHAIN poliert und vergoldet Klingen, ordnet sie in geometrischen Strukturen an und lässt sie beinahe ornamental oder schmuckartig erscheinen. Trotz dieser Ästhetisierung bleibt ihre Funktion präsent. Die Waffe kann in eine Skulptur verwandelt werden, ihre physische Möglichkeit bleibt dennoch bestehen. „Die Klinge symbolisiert nicht Schärfe – sie ist scharf.“ Diese Spannung zwischen Schönheit und Gefahr wird in der Live-Performance der Ausstellung unmittelbar erfahrbar.
Während der Eröffnung wird TOSHAIN mit Wurfsternen auf eine 2,60 × 2,40 Meter große mit weißen Kacheln geflieste Wand und darauf eine vorpräparierte Leinwand werfen, die wie ein Altar im Raum positioniert ist. Jeder Wurf hinterlässt eine reale Spur. Die Handlung wird nicht lediglich dargestellt, sondern vollzieht sich tatsächlich vor den Augen des Publikums. Auge zu Auge, Körper zu Körper, ohne technologische Distanz. Gleichzeitig verbindet TOSHAIN ihre radikale Körperlichkeit mit weiblichen, religiösen und handwerklichen Traditionen. Sie beschreibt ihre Praxis als eine „Neu-Bewaffnung“ überlieferter weiblicher Formen: Sie stickt mit Klingen, verwandelt Kettenglieder in textile Strukturen und verbindet dekorative und sakrale Bildsprachen mit Waffen. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Performance, Skulptur, Zeichnung und religiöser Ikonografie. Besonders deutlich wird diese Verbindung in einem großformatigen Charm Bracelet, das in der Ausstellung zu sehen ist. Die Arbeit bezieht sich auf die Heiligen Sophia, Fides, Spes und Charitas, deren Namen für Weisheit, Glaube, Hoffnung und Liebe stehen. Grundlage ist eine christliche Legende aus dem 2. Jahrhundert zur Zeit von Kaiser Hadrian, in der die drei Töchter der Sophia als Märtyrerinnen beschrieben werden. Die drastische Geschichte von Folter, Gewalt und Standhaftigkeit steht dabei in starkem Kontrast zur scheinbar spielerischen, dekorativen Form des Schmuckstücks. Gerade diese Spannung ist zentral für TOSHAINs Arbeit: Schmuck und Waffe, Schönheit und Gewalt, Glaube und körperliches Leiden, Ornament und Gefahr begegnen sich in einem Objekt. Das Charm-Bracelet wird so zum Träger von Erinnerung, religiöser Symbolik und körperlicher Erfahrung. „Paintings Are Egoists“ verbindet diese unterschiedlichen Ebenen zu einer Ausstellung über das, was sich nicht vollständig simulieren lässt: Berührung, Widerstand und Konsequenz.
TOSHAIN fordert eine Wahrnehmung ein, die nicht aus sicherer Distanz betrachtet, sondern sich auf die physische Realität des Gegenstandes einlässt.




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