Hermann NITSCH (1938 - 2022)
Auf Basis seiner synästhetischen Grundannahme (alle Sinne spielen zusammen)
suchte Hermann Nitsch von Beginn an unermüdlich auf allen künstlerischen Feldern,
sein umfassendes Gesamtkunstwerk, das Orgien Mysterien Theater (OM) zu entwickeln. In der Öffentlichkeit kennt man gewöhnlich nur einen Teil seiner umfangreichen Arbeit, wie seine Druckgrafik, aber besonders auch seine Schüttbilder in üppig roter Farbe.
Durch dieses Medium „Aktions-Malerei“ ist Nitsch auch international bekannt geworden.
Alle wichtigen Sammlungen und Museen der Welt besitzen Werke von Hermann Nitsch.
Über unsere öffentlichen Medien kennt man aber fast nur die kleinbürgerlichen Reaktionen auf seine Aktionskunst, wobei dabei, deren tiefer historisch-humanistischer Anspruch, verloren ging. In gewisser Weise verkörpern Nitsch und die anderen Wiener
Aktionisten eine Stunde Null, einen kritisch/symbolischen Neubeginn, als Reaktion auf den 2. Weltkrieg und seine nachwirkenden gesellschaftlichen Folgen in den Ländern Mitteleuropas. „Wir hatten hier quasi keine Hippies, wir hatten dafür den Wiener Aktionismus....!“
Diesen historisch-gravierenden Schritt ins unbekannte leere Land des menschlichen
Körpers, diese exponierte Setzung im Bereich der Avantgarde, nimmt den Wiener
Aktionisten so schnell niemand mehr weg. Nachfolgende Künstlergenerationen von
EXPORT, Kelley, Abramovic und Flatz uvm. sind Kinder dieser Entwicklung.
Die vielgestaltigen Aktionen und Ausprägungen des OM-Theaters seit den frühen 60er
Jahren, kennen aber eigentlich nur Wenige aus unmittelbarem Erleben.
Unsere Ausstellung versucht, aus eigenen Beständen der Galerie, die medienübergreifende Vielgestalt seines Werkes an einigen Beispielen und Dokumenten zu veranschaulichen. Der aktuelle Anlass ist auch die zeitgleiche große Ausstellung seines Frühwerkes
im Wiener Aktionismus Museum (WAM) in unmittelbarer Nachbarschaft.
Wir zeigen Schüttbilder und deren Makulaturen, Druckgrafik, Partituren, Handzeichnungen, seltene Kataloge und Handreichungen, Plakate sowie Originalfotos und Relikte
seiner OM-Aktionen.
Gerade sehen wir auch, wie diese Kunst der 60er und 70er Jahre und deren Paradigmen, einer medial-kritischen Prüfung unterzogen werden.
Aber: Hermann Nitsch war kein aggressiver Rebell, er war eigentlich ein sanfter Riese
seiner Zeit.
Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 11. März 2026 um 18.00 Uhr
Eröffnungsvortrag: Julia Moebus-Puck M.A.
Sammlungsdirektorin des Wiener Aktionismus Museum (WAM)
Ausstellungsdauer: 12. März bis 7. Mai 2026
Öffnungszeiten: Jeden Donnerstag von 14.00 bis 18.00 Uhr
und jeder Zeit nach telefonischer Terminvereinbarung.



 
 
 
 
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